Wir müssen über Griechenland reden, liebe ZIB 2.

Wie das nun mal so ist, versammelt sich die politisch interessierte Zuseher_innenschaft all abendlich zum ZIB 2 Schauen. Gestern, kurz vor dem Einschlafen, hat diese aber dann doch für einen veritablen Wutanfall gesorgt, den meine Couch und die darauf liegenden Polster abgekriegt haben. Nun, mit der Distanz einer Nacht die ernste Erkenntnis: Wir müssen reden. Wirklich, liebe ZIB 2-Redakteur_innen, nehmt euch ein Häferl Tee und lauft nicht gleich wieder weg.

Also. Griechenland, hm? Ihr habt ganz richtig erkannt: Ist nicht so fein, gerade für die Menschen dort. Wir können auch ganz offen sein: Es ist richtig beschissen. Krise, Troika, Krise, deutsche Einmischungen, Krise, Technokratenregierung, Krise, kaputt. Was so in Sachen Troika/Merkel/wirtschaftliche Daumenschrauben und Austeritätspolitik abgegangen ist, das haben andere schon sehr gut beschrieben und ihr als Politik-Redakteur_innen solltet das eine oder andere mitbekommen haben. Von Leuten, die ihre Kinder in Kinderdörfern abgeben, weil sie sie selbst nicht mehr versorgen können, von 60% Jugendarbeitslosigkeit oder von der prekären medizinischen Versorgung, die Griechenland in eine humanitäre Katastrophe stürzen kann, wie Ärzte ohne Grenzen analysieren. In bekannter Medien-Blasen-Coolness denkt sich jetzt wahrscheinlich die eine oder der andere von euch: „Ach“ und macht fröhlich ihr_sein Ding weiter.

Aber das ist das Problem mit euch. „Das Ding“, das ihr weitermacht, verharmlost in ganz gravierender Art und Weise eine handfeste Nazipartei. „Nazi, pahh“, denkt ihr euch und grinst schief in purer Ignoranz. Euer „Ding“ ist nämlich das EXTREMISMUS, in dem ihr euch so gerne suhlt. Mit Betroffenheitsmiene erzählt ihr uns dann, wie gestern, wie ganz furchtbar extrem und radikal diese Griechen sind. Sowohl die Goldene Morgenröte, als auch die SYRIZA hätten so einen Zulauf und das sei sehr bedrückend. Lechts, rinks – alles das Selbe. Die, die KZs wieder aufsperren wollen und die, die drin verrecken sollen, sind doch nur zwei Seiten einer Medaille, nicht wahr? Warum diese Griechen nicht so wunderbar gemäßigte, vernünftige und staatstragende Parteien wie die Nea Dimokratia oder die PASOK mehr wählen wollen. Nur wegen den paar Verschlechterungen, die diese zu verantworten haben? Undankbares Pack. Nur weil diese beiden Parteien hauptverantwortlich für den Aufstieg der Goldenen Morgenröte sind? Spätestens jetzt denkt ihr euch „Häh? Was redest du da denn, die unumstößliche, unpolitische feste Mitte ist doch der beste Garant für diese Radikalinskis auf beiden Seiten“

Schauen wir uns die Goldene Morgenröte mal genauer an. Die Goldene Morgenröte ist so rechts, dass die FPÖ sie als „Nazis“ bezeichnet. Das ist ein bisschen lustig, aber eigentlich auch irgendwie traurig. „Arg“, mag jetzt euer indifferentes Verhalten etwas brechen. Die haben ein verwordakeltes Hakenkreuz als Logo. Die haben ein Paramilitär mit Killersquads, die sie durch die Städte schicken, um ein paar Migrant_innen, Flüchtlinge, Roma, Juden und Jüdinnen und Linke aufzumischen. Jetzt fällt es in Österreich traditionell schwer, öffentlich auch nur einen Funken Mitgefühl oder Solidarität mit besagten Gruppen zu entwickeln. Also schmeißt ihr euch lieber genüßlich zurück in dieses EXTREMISMUS und meint, dass die dann doch irgendwie selbst Schuld sind. Ich mein’, ihr seid ja auch noch nie von Nazis angegangen worden. Die, die das werden, werden schon irgendwas gemacht haben.

Und dann erst diese SYRIZA. Also bitte. Diese SYRIZA (beim Y ganz hoch rauf gehen, das verleiht der Empörung noch mehr Ausdruck, also nochmal: Diiiieeessse SYYÜÜÜRRIICZZAAAhh!)! Die sind ja jetzt auch nicht besser, gell? Ich mein’, nur weil das eine demokratische Partei, ist brauchen die nicht glauben so Dinge fordern zu können, wie einen Schuldenschnitt. Oder dass niemand mehr delogiert werden kann. Oder dass niemandem der Strom abgestellt werden kann im Winter. So extrem. So traurig, dass diese Griechen sich in so schlimmen Zeiten so einer Partei zuwenden. Nicht den Strom abstellen – biologistischer Rassismus. Wer da nicht sieht, wie extrem diese Linken und Rechten agieren. Und diese SYRIZA konnte ja nur dank der edlen Frau aus Deutschland überhaupt als stärkste Partei verhindert werden. Man stelle sich vor, was los gewesen wäre, wenn die da nicht beherzt eingeschritten wäre. Dann hätten jetzt vielleicht mehr Griechen eine Krankenversicherung und das darf auf keinen Fall zugelassen werden, das wäre Kommunsozialstalinfaschismus – alles in einem. Die Goldene Morgenröte bringt daweil Leute um und hetzt andere durch Stadtviertel. Die Polizei ist da natürlich immer eine große Hilfe, indem sie Kader der Morgenröte ausbildet. Fun Fact: Leute aus der Nea Dimokratia konnten sich durchaus ein Bündnis mit der Goldenen Morgenröte vorstellen. Bis sie halt verboten wurde. Pech aber auch. Fun Fact zum Zweiten: Die PASOK will hingegen ihre Millionärsabgeordnete außer Landes bringen und flüchten, wenn die EXTREME SYRIZA an die Macht kommt.

Also, wir haben jetzt ein bisschen geredet. Über Menschen in einer echt beschissenen Situation. Über die Goldene Morgenrötenmitte. Und über SYRIZA. Wir können uns noch kurz über dieses glibbrige EXRTREMismus unterhalten. „Boooring“, denkt ihr in altbewährter Besserwissermanier. Ihr wisst natürlich längst, was extrem ist. Ihr habt es schließlich so gelernt. Alles jenseits der Sozialdemokratie und alles jenseits der, ähmmm, also der Anderen halt. Die, die halt mit der ÖVP so irgendwie was zu tun haben. Also, die Francoanhänger in Spanien, die Mussolinienthusiasten in Italien, die Horthy’aner in Ungarn und Nazis-im-Geheimdienst-war-eine-voll-feine-Sache-NSU-kenn-ich-nicht-Partei in Deutschland, die sind genauso unEXTREM wie der Dollfussfanclub in Österreich. Aber alles daneben, puh. Arg. Zum Glück haben die alle nix miteinander zu tun. Da gibt es eine ganz klare Linie. So trennscharf wie jene zwischen FIDESZ und Jobbik. Oder zwischen Verfassungsschutz und NPD. Wie zwischen ÖVP und FPÖ. Wie zwischen katholischer Kirche und Misogynie. Diese EXTREME sind natürlich gleich schlimm. Wie gesagt, irgendwas werden die schon ausgefressen haben. Einfach so haben Nazis noch nie irgendwen gehasst. Dementsprechend liegt es wohl an euch, sehr kritisch beide EXTREME zu verurteilen. Diese kontroverse Meinung wird man ja noch haben dürfen. Mit letzter Tinte.

Den Beitrag der ZIB 2 gibt es hier zum Nachschauen. Vielleicht findet ja jemand eine Möglichkeit, das auf eine Plattform zu stellen, wo es nicht bald wieder futsch ist.

P.S.: Falls ihr noch Leute sucht, die wirklich was über Griechenland wissen, liebe ZIB2, ich kann auch aus dem Stand sicher 10 empfehlen. Meldet euch doch. Es gibt auch Tee.

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Rechtsextreme Festspiele in Österreich

Nach dem Credo „Faschismus – das sind die Anderen“ wird nur groß (wenn überhaupt) über rechtsextreme Treffen berichtet, wenn sie nicht in Österreich stattfinden. Dabei gibt es eine ganze Palette an Treffen allein im November, die interessant für die rechtsextreme Szene sind und durchaus eine nähere Betrachtung verdienen bzw. verdient hätten. Österreich ist nämlich zur Insel der Seeligen für die rechtsextreme Szene geworden, da sie auf relativ wenig Gegenwehr, vor allem von institutioneller Seite, stoßen.

1. 10. November – die Identitären in Aktion

Am 10. November konnten die
Identitären bei hellichtem Tage eine Aktion vor der Europäischen Agentur für Grundrechte durchführen. In bewährter Untertanen-Manier hetzten sie gegen Refugees und sorgten sich um den Untergang des Abendlandes. Dabei verzichteten sie weder auf holprige popkulturelle Anspielungen, die nicht im Sinne des Erfinders sind, noch auf Sprüche, die von den Faschisten von CasaPound („Europa, Jugend, Reconquista“) übernommen wurden. Das Datum ist nicht zufällig gewählt, der Tag nach der Pogromnacht. Martin Semlitsch (aka Martin Lichtmesz) hat den Begleittext in der neurechten Zeitschrift Sezession geliefert. (inklusiver bemühter Jugendlichkeit mit dem Verweis auf Großstadtgeflüster) Besagter Herr Semlitsch gehört zum engsten Kreis des Sezession-Gründers Götz Kubitschek, der auch dem rechtsextremen Institut für Staatspolitik vorsteht und eine führende Person der neurechten Szene in Europa ist. Am 10. November versammelten sich also ca. 30 Personen in bekannt schwarz-gelbem Einheitslook und hetzten gegen Refugees, weil der Chef der EU-Grundrechtsagentur vor Rechtsextremismus gewarnt und Österreich als Einwanderungsland bezeichnet hatte. Das ist allerdings schon am 20.10. geschehen. Ein Schelm wer also denkt, dass es so lange Vorbereitungszeit gebraucht hatte, um ein paar mickrige Schildchen zu basteln. Es wurde sehr bewusst auf den 10. November gewartet, um in bekannter Täter-Opfer-Verdrehung zu agieren und die Gefahr von rechts herunterzuspielen.

Screenshot: Prahlerei der Identitären auf Facebook

Screenshot: Prahlerei der Identitären auf Facebook

2. 14. November – Treffen der rechtsextremen Parteien in Wien

Warum treffen sich erst die Orbans, Samarase und Merkels in Wien beim Gruselkabinetts-Treffen der Europäischen Volkspartei (wo der Dollfuß-Fanclub aka ÖVP auch Mitglied ist) und nun die Watschengesichter a la Strache, Le Pen und Wilders in Wien? Genau, weil es nur richtig wenige Leute juckt. Alle anderen Parteien sind auf den Mund gefallen und auch sonst herrscht mehr eine laisez faire Stimmung gegenüber ein paar der grindigsten Rassist_innen, die Europa so zu bieten hat (und da ist die Konkurrenz wirklich groß). Beraten wird darüber, wie es nach der EU-Wahl, bei der der Front National in Frankreich gute Chancen hat, stärkste Partei zu werden, weiter gehen soll. Ein weiteres europäisches Projekt der nationalen Kleingeister wird angestrebt. Diesmal so wirklich wirklich. Die letzten Male hat man sich ziemlich bald zerstritten und die anderen rechtsextremen Parteien wollten mit der FPÖ unter Führung des Obergrindpatzn Andreas Mölzer nix zu tun haben, weil die so offen rechtsextrem sind.

3. 22. November – Götz Kubitschek in Wien bei den Identitären

Eingangs wurde Herr Kubitschek schon kurz angerissen. Er hat vor 10 Jahren die neue Generation der Neuen Rechten in Deutschland mit der Gründung der Zeitschrift Sezession begründet. Dort durfte schon alles schreiben, was in der rechtsextremen Szene als prominent gilt. Vardon, Iannone, de Benoist, Menzel – you name it. (Nur Frauen nicht, wenn sie nicht mit dem Begründer verheiratet sind. Intern wird anscheinend noch diskutiert, ob Frauen überhaupt in der Lage sind, einen Bleistift zu halten oder wieviel mann sich jetzt wirklich vor ihnen fürchten muss) Der Typ tourt durch die Lande und stößt einige wenig charmante Projekte an, was z.B. am angeschlossenen Verlag ersichtlich ist, wo die Obersympathler der Konservativen Revolution neuaufgelegt werden. Erwähnenswert auch das Vernetzungstreffen Zwischentag in Berlin, wo nicht einmal mehr ein Lorbeerblättchen verdeckt, wie tief drinnen die „nicht rechts, nicht links“-Bli-Bla-Blu identitären Häschens in der rechtsextremen Szene stecken. Neben den strammen Schmissfressen der Deutschen Burschenschaft und der peinlich elitären Gildenschaft (Kubitschek ist Gildenschafter), dürfen dort auch die Verschwörungstheoretiker des Ares-Verlag oder die Widerlinge des Eckharts rumkrebsen. Auch die FPÖ war mit unzensuriert vor Ort. Nun kommt dieser rechtsextreme Promi am 22. November nach Wien in das Haus der Österreichischen Landsmannschaften in die Fuhrmanngasse. Politiker_innen jeglichen Coleurs sind sich, so nebenbei bemerkt, nicht zu blöd, regelmäßig zu den Landsmannschaften zu pilgern und selig von Mähren oder Böhmen zu träumen.

4. 23. November – WKR-Kongress in Wien

Im letzten Jahr ist der Kongress ganz schön mickrig ausgefallen und wurde in der Chronologie eher unter „Peinlichkeit“ abgelegt. Parallel fand nämlich ein außerordentlicher Burschentag in Stuttgart statt, weil viele deutsche Verbindungen plötzlich nur noch wenig Lust hatten, sich von der Wiener Teutonia vertreten zu lassen, die den Vorsitz im Dachverband Deutsche Burschenschaft übernommen hatte. Sympathischerweise forderte diese samt ihren Gesinnungsgenossen der Danubia München, der Raczeks Bonn und den anderen WKR-Burschis das, was in Österreich schon immer Realität war: den Arierparagraphen für Burschenschaften. Stein des Anstoßes war ein Bursche einer eher „liberaleren“ Verbindung, der nach Meinung der Rassenkundler-Clique nicht arisch genug aussah. Der WKR (Wiener Korporations Ring) gehört selbst unter den Ekelpaketen der Deutschen Burschenschaft nochmal zum aller grauslichsten, rechtsextremen Bodensatz, den dieser zu bieten hat. Die vergangenen Jahre durfte dieses Event im Rathauskeller stattfinden, ohne dass sich jemand der Verantwortlichen daran gestört hätte.

5. 29. – 30. November – Verbandstagung der Deutschen Burschenschaft in Innsbruck

Recht kurzfristig wurde die Tagung nach Innsbruck verlegt, wohl in der Hoffnung auf nicht soviel Gegenwehr zu stoßen wie in Deutschland. Das Bündnis Innsbruck gegen Faschismus organisiert für den 30.11. eine Demo. Bei dem Treffen wird es wohl auch eine starke inhaltliche Komponente geben. Es dürfte kein Zufallen sein, dass recht zeitnah davor Herr Kubitschek in Wien ist, am nächsten Tag der WKR-Kongress stattfindet und nur eine Woche später die Verbandstagung der DB. Ein Referent dürfte sich also gefunden haben.

6. 07. Dezember – Frei.Wild in Wien

Jedes Jahr der selbe Schmus mit Frei.Wild. Eigentlich ist ja alles gesagt, aber die Verantwortlichen des Gasometers interessiert das herzlich wenig. In bewährter Stammtisch-Pogromstimmungsmanier wird sogar beim Ankündigungstext fleißig Stimmung gemacht gegen die gemeinen Leute, die gegen sie sind. Nationalismus und Blut-und-Boden-Ideologie wird freimütig als „widerspenstig“ verharmlost. Was haben wir alle gelacht.

7. 24. Jänner – WKR-Ball in Wien

Auch hier jedes Jahr die selbe Leier. Groß ließ sich die Hofburg feiern, indem sie den Schmissfressen das Feiern in der Hofburg verboten hatte. Davon ist nichts geblieben. Auch dieses Jahr werden sie wieder feiern. Auch dieses Jahr ist es das wichtigste Event zur Vernetzung der rechtsextremen Elite Europas. Letztes Jahr haben die Stargäste etwas ausgelassen, wohl weil Dank der entschlossenen linken Demos nicht mehr alles so glatt ging, wie sie glaubten. Es reicht eben nicht, irgendwo nett herumzustehen und Musik zu hören – Rechtsextremismus gehört aktiv blockiert und auch das wird es beim nächsten Ball wieder geben. Hier die News verfolgen: Offensive gegen Rechts

8. 01. Februar – Akademikerball in Graz

Auch Graz lässt sich nicht lumpen und auch dort dürfen die Burschis feiern ohne dass es die Stadt oder das Land groß stören würde. Auch hier wird es Proteste geben und auch hier lassen wir sie nicht ungestört feiern.

9. 08. Februar – Burschenbundball in Linz

In Linz wird gefeiert, als wäre 1945 nie passiert. Da gibt der Landeshauptmann den deutschnationalen Burschenschaften mit Arierparagraph Geleitschutz und drei Banken sponsern das Event. Das sind die Raiffeisen Oberösterreich, die Sparkasse Oberösterreich und die Hypo Oberösterreich. Nur falls sich jemand fragt, wo das Geld des Bankenrettungspakets eigentlich hinfließt – genau, direkt zu den Rechtsextremen. Auch hier wird es wieder Gegenproteste geben.