Frank und die neu(en) rechten Werte

Dass das Team Stronach ein Problem mit Rechtsextremen in den eigenen Reihen hat ist nicht neu. Die Recherche West hat schon im Dezember darauf aufmerksam gemacht, dass sich in Tirol viele rechte Opportunisten, Burschenschafter und andere Rechte beim Team Stronach wiedergefunden haben.

Robert Lugar im Interview mit compact

Neu ist allerdings, dass das bis ganz nach oben, in dem äußerst hierarchisch agierenden Team Stronach geht. Klubobmann und Quasi-Parteichef Robert Lugar hat im Februar dem Compact-Magazin für Souveränität ein Interview gegeben. Das Interview selbst ist wenig spektakulär (ein Ausschnitt ist auf der Seite des Chefredakteurs nachzulesen. Achtung, Link auf rechtsextreme Seite). Compact sieht sich selbst als Magazin, das „rechte und linke Positionen vertritt“. Weder links noch rechts zu sein, behaupten bekanntermaßen nur Rechte von sich und ist eine bekannte Strategie (siehe: Kommunikationsstrategien der Neuen Rechten). Auch wenn einige Autor_innen ursprünglich aus einem linken Spektrum kommen, so liefern sie heute Lesestoff für alle, die ihre rechtsextreme Ideologie nicht mit dumpfen rassistischen Parolen präsentiert bekommen möchten, sondern vermeintlich kritisch und intellektuell. Beliebtestes Feindbild ist aber ganz klassisch Israel. Da werden allerlei krude Verschwörungstheorien präsentiert und von der Neuen Weltordnung phantasiert. Beate Zschäpe wird zum „Engel“, der einer bösen Verschwörung der deutschen Justiz zum Opfer gefallen ist und und sie wird in einem offenen Brief aufgefordert, „alles aufzudecken bevor es zu spät ist“. Entlarvend auch die alljährliche Compact-Konferenz für Souveränität. Mit Peter Scholl-Latour, Eva Hermann und Thilo Sarrazin kommt da zusammen, was zusammen gehört. Diskutiert wird über „Familienfeindlichkeit“, „Geburtenrückgang“ und das „Sterben der Völker“, alles klassisch rechtsextreme Narrative. Geladen sind auch Vertreter der extrem homophoben russisch-orthodoxen Kirche und Mitglieder der russischen Duma. Auch die Autor_innen der Ausgaben sind klar verortet, etwa Ansgar Lange, ehemaliger Chefredakteur des neurechten Theorieorgans Criticón , der auch schon für Politically Incorrect (was bizarr ist, wenn man die ausgesprochene Israelfreundlichkeit von PI dem Antisemitismus von Compact entgegenstellt) und eigentümlich.frei geschrieben hat oder André Lichtschlag, der sich im Umfeld von Götz Kubitschek und der Sezession tummelt. Der Chefredakteur von Compact ist Jürgen Elsässer, der sich auch einmal in der Linken herumgetrieben hat. Er hat sich über seine Verengung der Kapitalismuskritik auf eine Kritik des Finanzkapitals und dem damit verbundenen Antisemitismus zu klar rechtsextremen Positionen entwickelt. Compact ist die logische Manifestation dessen. Damit steht das Magazin in einem Netzwerk neurechter Organisationen, Blogs und Zeitschriften, die eben nicht mit Haudrauf-Parolen glänzen, sondern kritisch, zugänglich und intellektuell daherkommen wollen. Mit einer großen Bekanntheit oder einer rasenden Auflage können Lugar und das Team Stronach hier auch nicht argumentieren, handelt es sich dabei doch eher um ein „Sektenorgan“, wie ruhrbarone attestieren.

Thomas Bachmeier ist bei Veranstaltung von Compact

Thomas Bachmeier ist Mitglied des Expertenrates von Frank Stronach und Kandidat zum Nationalrat in Vorarlberg für das Team Stronach, wie die APA am 13. August berichtete. Er ist auch Ökonom und dubioser Goldstandardtheorieexperte. Somit Experte einer Theorie, die anschlussfähig für rechtsextreme Ideologie und von der FPÖ heftig propagiert wird. Dass der Expertenrat an sich recht schräg ausgefallen ist, darauf weist Andreas Kemper hin.  Bachmeier hat es sich nicht nehmen lassen, als Gast bei einer Veranstaltung von Compact aufzutreten (Achtung Link auf rechtsextreme Seite). Moderiert wurde der Spaß von Ken Jebsen. Jebsen, der immer wieder durch Antisemitismus auffällt und deswegen vom rbb gefeuert wurde.

Es zeigt sich, dass das Team Stronach gar kein Problem damit hat, bis auf die höchste Ebene mit einem rechtsextremen Magazin zusammenzuarbeiten, das antisemitische Weltverschwörungsthesen und Ethnopluralismus propagiert und dabei rassistisch, sexistisch und tief homophob auftritt.

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