Die (schein)heilige Welt von Red Bull

Red Bull ist eine große Marke. Eine sehr, sehr große Marke. Eine Weltmarke. Eine jener Marken, die synonym für das Produkt stehen, das sie feilbieten. So wie Tixo für Klebestreifen. Oder Labello für Lippenpflegestift. Red Bull und Energydrinks sind quasi synonym. Das ist der feuchte Traum für konzernkapitalistische Öffentlichkeitsarbeit. Dann hat man es wirklich geschafft.

Wenn es bei Energydrinks geblieben wäre, dann wäre das nur bedingt schlimm. Red Bull wendet aber dieselbe Strategie auch in seinen Business-Unternehmungen im Sport an. Das erste Versuchskaninchen war eine Nische mit wenig Sponsoring, aber hohem Coolness-Faktor: Extremsportarten. Und schon wurde Red Bull zum Synonym für lässige Typen, die irgendwo runterspringen, runterfliegen, raufklettern, runterbretteln oder waghalsig runterfahren. Die jungen, coolen Typen, die immer aussehen, als wären sie einer Werbung für das schöne, gute, junge Leben entsprungen, wurden gesponsert und Red Bull bekam ein schönes Image – win-win. Nicht ganz. Das Spektakel forderte immer und immer wieder Tote. Natürlich kennen die Sportler_innen das Risiko, aber über die Verantwortung eines Unternehmens, das nach immer mehr und immer ärger strebt, um das Image zu erhalten, darf zumindest diskutiert werden. Nun denn…

Red Bull und Fußball

Genau diese Strategie, die Marke-mit-Produkt-Gleichsetzungsstrategie, versucht Red Bull auch im Fußball umzusetzen. Fußball soll Red Bull werden. Die Spieler am Feld sind nicht mehr nur Markenbotschafter und bewerben neben vielem auch einen Energydrink, nein sie SIND Red Bull. Sie sind jung, dynamisch, nett und spielen guten Fußball – das ist Red Bull. Das kannst du auch sein, wenn du nur den Drink kaufst. Das Geld, das in den Fußball gesteckt wird, ist eine riesige Investition in die Marke Red Bull, nachdem das Engagement im Extremsport an seine Grenzen stößt und nie so viele Leute erreichen kann, wie eben die beliebteste Sportart der Welt. Die österreichische Liga war natürlich ein leichtes Opfer und ein kriselnder Verein (mit großer Vergangenheit) in der Provinz sowieso. Schon damals zeigte sich, wieviel Red Bull von eingefleischten Fans hält – nichts. Denn mit aggressivem Marketing lässt sich ein zumindest solider Grundstock an neuen Fans der Marke begeistern. Wer schon einmal in Wals-Siezenheim bei Salzburg im Stadion war, wird mitten rein gezogen in diese fußballerische Parallelwelt, in der es erstaunlich wenig um Fußball geht. Selbst als Auswärtsfan entgeht einem das bizarre Treiben nicht, in der Pappklatschverteiler alle 5 Meter nur eine skurrile Randnotiz sind. Von Kindern, die in jungen Jahren in einem eigenen Kinderspieldorf an die überpräsente Marke gewöhnt werden bis zu „Fangruppen“, die das Konzernlogo auf Doppelhalter übernehmen wirkt alles seltsam pickig, oberflächlich und instinktiv falsch. So ist es kein Wunder, dass die Spiele, selbst gegen den größten Verein Österreichs, nicht ausverkauft sind und die Auswärtsfans fast immer lauter sind. Auch wenn der Verein selbst gefahrlos an der Spitze steht, Serienmeister ist und das mit Abstand größte Budget und damit die besten Spieler hat. Es interessiert nur niemanden wirklich. Bei normalen Fußballvereinen wäre in solch goldenen Zeiten die Hölle los und es gäbe lange Wartelisten für Karten.  Darum geht es aber bei Red Bull nicht. Denn Salzburg war nur Versuchskaninchen Nummer 2. Es geht um die Ligen, von denen aus der Fußball wirklich umgestaltet werden kann. In bewährter Manier wurde also als nächster Schritt ein Standort gesucht, bei dem sich die Frustration und die fußballerische Hoffnungslosigkeit leicht in die Markenstrategie einordnen lassen – Leipzig. Das ist deswegen so wichtig, weil es nie darum geht „nur“ Sponsor zu sein, da hätte es viele bestehende Vereine gegeben, die gut Geld gebrauchen hätten können und einen krisenfesten Sponsor wie Red Bull mit offenen Armen empfangen hätten.

Red Bull ist aber kein Sponsor, sondern der Verein ist Teil der Markenstrategie. Red Bull will Fußball synonym zur eigenen Marke machen, das ist grundsätzlich anders als das Treiben von (übermächtigen) Hauptsponsoren oder zwielichtigen Mäzenen, was schlimm genug ist. Dabei hat Red Bull aber ein Problem – es gibt noch wirklich viele andere Fußballvereine, die alle guten Fußball zeigen und zur Marke geworden sind. Hier bitte den Unterschied beachten: Ein Fußballverein, den es seit hundert Jahren gibt, wird im modernen Fußball zur Marke. Red Bull ist ein Getränkedosen-Hersteller und verwendet den Fußball als Markenstrategie für die Getränkedosen und nicht, um die Marke eines Vereins zu stärken. Diese Konkurrenzsituation kann man auf vielfältige Weise für sich entscheiden, die wichtigste davon ist: Geld. Viel Geld in kurzer Zeit. Das unterscheidet sich kaum von dem, was Mäzene machen, außer dadurch, dass hier eben ein neuer Verein komplett nach Markenrichtlinien aus dem Boden gestampft wurde.

Die Marke Red Bull steht für jung, modern, dynamisch, cool – so soll also auch der Fußball sein. Nur die Glitzerwelt, aber ohne die Mühsal der Tradition oder der gesellschaftlichen Verantwortung. Denn Fußballvereine sind auch im modernen Fußball nicht nur globale, konkurrierende Marken. Fußballvereine sind auch Verdichtungen gewachsener, gesellschaftlicher Verhältnisse ihrer Umgebung. Für einen Verein wie Borussia Dortmund bedeutet das, dass er zu jedem Zeitpunkt auch für die Stadt und ihre Bewohner_innen steht und stand.  In einem postindustriellen Zeitalter heißt das unweigerlich den Übergang von großen Arbeiter_innen-Schichten zu großen Arbeitslosigkeit-Schichten mitzuerleben. Das bedeutet für einen Fußballverein, der so in der Gesellschaft verwachsen ist auch immer sozialarbeiterische Tätigkeit und demokratischen Austausch mit der eigenen Fanszene. Wenn wir beim Beispiel Dortmund bleiben, so heißt das eine (späte, zu späte?) Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus. Dortmund ist eine Hauptstadt des Rechtsextremismus und gerade der Fußball ist eine attraktive Betätigungsfläche. Dortmund (und viele andere Vereine) haben darauf mit Sozialarbeit, Bildungsarbeit und sogar Gedenkarbeit reagiert. In vielen Fanszenen kommt es zu eigenen Initiativen in diesem Bereich, etwa bei der Fanszene des FC Bayern München, wenn es um das Gedenken an Kurt Landauer geht oder in Bremen und Mainz, wenn es zum Beispiel um Enttabuisierung von Homosexualität im Fußball geht. Es gibt zig solcher Beispiele und alle zeigen auch, dass organisierte Fanszenen nicht der dumpfe Haufen Idioten sind, als der sie gerne dargestellt werden. Sie sind vielleicht sogar die letzte große Bastion der beständigen Massenorganisierung in einer immer neoliberaleren und durchindividualisierteren Gesellschaft. Damit sind sie inhärent politisch. Dass dabei intern um Hegemonie von verschiedenen Blöcken gerungen wird und das eben auch mit Beteiligung von Nazis, ist klar. Hier tut jeder Verein gut daran, sich klar zu positionieren und jene Fans zu unterstützen, die sich denen in den Weg stellen.

Das bedeutet aber auch, dass für viele Menschen Fußball Teil ihrer Identität, ja sogar Teil ihrer Familiengeschichte ist. Die Ebene hinter dem modernen Fußball und der Marke bleibt also erhalten. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die meisten Vereine auch im modernen durchkapitalisierten Fußball. Sogar auf einzelne Spieler trifft dies noch zu – die One-Club- Player und working-class-heroes, die nicht ab 12 in durchorganisierten Fußballakademien waren, sind die Identifikationsspieler, bei denen den Fans das Herz aufgeht.  Diese Ebene fällt bei einem Projekt wie Leipzig komplett weg.

Das könnte insofern egal sein, als Leipzig ein Verein von vielen wäre. Aber, wie oben angesprochen, Red Bull möchte nicht ein Verein von vielen, sondern synonym mit Fußball sein. Und im Wettstreit um das eigene Image stehen ja genau Vereine wie Dortmund, aber auch Köln etc. im Weg. Denn kurzfristig möchte man sich als „sympathischer Bayernjäger mit erfrischendem Fußball“ präsentieren. Das kommt bekannt vor. Genau deswegen ist es nicht nur hilfreich, die eigene Marke, Red Bull, nach allen Regeln der Marketingkunst zu pushen, sondern eben auch den Konkurrenten zu beschädigen. Dabei ist es ja besonders interessant, dass bei den Übergriffen in Dortmund die Transparente im Vordergrund standen und nicht etwaige körperliche Angriffe. Denn die Transparente richteten sich direkt gegen die Marke Red Bull. Die (nicht besonders intelligenten, aber handelsüblichen) Sprüche wie „Red Bull verrecke“ oder „Love Football, hate Red Bull“ wurden zum Kern des Eklats. Dass sich Fanclubs gegen diskriminierende Sprüche (Behinderung, Sexualität, Geschlecht etc.) stellen sollten, sei nochmal extra erwähnt. Nicht wegen Red Bull, sondern wegen der Menschen, die diskriminiert werden, indem sie als Schimpfworte herhalten müssen. Das geht nicht.

Genauso wie körperliche Angriffe natürlich ein No-Go sind.  Es ist aber beeindruckend, wie schnell hier das markentaugliche Narrativ verbreitet wird: Die bösen Prolos aus Dortmund haben den Familienanhang des aufstrebenden Red Bull-Vereins angegriffen, weil die nunmal so sind bei diesen Traditonsclubs. Besser nicht so, sondern lieber den neuen Fußball aus Leipzig, der jung, dynamisch und nett ist. Da passt es, dass man sich weniger mit den körperlichen Angriffen beschäftigt. Dazu gehören nämlich die vielen Berichte in Foren, dass Leipziger Fans gerne chauvinistisch gegen Dortmunder als „Hartz IVler“ oder „Assis“ schimpfen. So ein snobistisches Verhalten berichteten bereits andere Fanlager in der zweiten Liga. In einer Stadt mit 11,6% Arbeitslosigkeit (Leipzig 7,9%) ist das pure Provokation. Man könnte auch fragen, was sich die Polizei eigentlich dabei gedacht hat, die Fanlager nicht sauber zu trennen, wie es bei Hochrisikospielen üblich ist. Oder, auch in Richtung Dortmunder Szene gefragt, ob man denn weiß, ob das eine gezielte und geplante Aktion einer Gruppe war, die um Vorherrschaft auf der Tribüne kämpft und unter deren Deckmäntelchen die Nazis wieder zurück kommen. Das sind alles legitime Diskussionsstränge, die tatsächlich Erkenntnisgewinn hätten. Stattdessen geht es aber NUR um den Schutz der Marke Red Bull. Zu Red Bull darf man nicht böse sein und keine bösen Worte sagen. Das ist beachtlich.  Da passt es dazu, dass Red Bull die Kurbel immer weiter dreht und Borussia Dortmund als Ganzes samt Vereinsführung in Frage stellt und den BVB, ohne dass dabei irgendein Bezug zu den Übergriffen ersichtlich wäre, wie RB Leipzig Geschäftsführer Mintzlaff,  als den “wahren Kommerzverein” darstellen will.

Bilder mit freundlicher Genehmigung: http://brucki.blogspot.co.at/

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(Bilder von 2006 – schon damals war klar wer wo steht. Spiel: Rapid Wien – Red Bull Salzburg 1:1)

Red Bull und Rechtsextremismus

Noch beachtlicher ist dabei, dass Red Bull selbst keinerlei Berührungsängste mit Rechtsextremen hat. Da wird eine Marke so sorgsam und aggressiv gepflegt – immer alles an der Oberfläche, immer alles glänzend und dann begibt man sich mitten unter das who is who des deutschsprachigen Rechtsextremismus. Zum einen zeigt sich das im Sponsoring von Felix Baumgartner, der so bekannt ist, wie kaum ein zweiter Extremsportler und direkt für Red Bull steht. Das war auch die Marketingstrategie. Wenn dieser Felix Baumgartner also öffentlich den Identitären Treue schwört, dann wäre es für jedes Unternehmen zum eigenen Markenschutz wichtig, sofort auf klare Krisenkommunikation zu schalten und sich glasklar zu distanzieren. Zum zweiten mutiert der eigene TV-Sender Servus TV zum Haus- und Hofsender für Rechtsextreme. Als kleiner Einschub: Red Bull wollte den Sender auch schon dicht machen, weil die Angestellten einen Betriebsrat gründen wollten. Aus Angst um den Job haben sie darauf verzichtet und der Sender durfte weiter bestehen. Auch mit Arbeitsrechten hat es red Bull also nicht unbedingt. Zurück zu rechtsextremismus. Da gibt es die Kommentar-Sendung „der Wegscheider“, das liebste TV-Format der FPÖ, das auf Social Media kräftig verbreitet wird.  Der Chef der rechtsextremen Identitären wurde in die prestigeträchtigsten Talk-Show des Red Bull-Senders  eingeladen. Einen offenen außerparlamentarischen Rechtsextremen mit Neonazivergangenheit als geschniegelten und akzeptablen Gast zu präsentieren, ist auch in Österreich ein Tabubruch.  Zur Belohnung verlautbarten Rechtsextreme, dass Servus TV als einziges Medium von einem rechtsextremen Kongress in Linz berichten von dem alle anderen Journalist_innen ausgeschlossen wurden, weil sich die Rechtsextremen schlechte Presse erwarteten. Servus TV selbst bestritt dies. Doch das war kein einmaliger Ausrutscher, auch Menschen wie der freie Abgeordnete Marcus Franz, der immer wieder durch frauenverachtende Aussagen auffällt, die sich im Umfeld von Jobbik bewegenden Eva Maria Barki und, ganz aktuell, Martin Semlitsch aka Lichtmesz, der zum engsten Kreis rund um Götz Kubitschek gehört, waren Gäste der Sendung. Bemerkenswert, wie wenig Red Bull die eigene Marke und das eigene Image gegenüber Rechtsextremismus verteidigt. Um nicht zu sagen: scheinheilig.

 

Forum besorgter Bürger – ORF bietet Rechtsextremen ein Forum

Das ORF-Bürgerforum am 24.11.2015 hatte leider viele lowlights zu bieten. Unkommentiert und ungeprüft wurden irgendwelche wilden Gerüchte als „Meinungen“ präsentiert und dies als gleichwertig neben den realen Erfahrungen von Geflüchtete und Geflüchtetenhelfer_innen präsentiert. Der Bericht einer Frau, die jeden Tag mit Geflüchteten zu tun hat und von den Wünschen nach Deutschkursen (von denen zu wenige vom Integrationsministerium bereit gestellt werden) berichtet, stand gleichwertig neben Aussagen wie „Ich war einmal in Afrika, deswegen kann ich nicht rassistisch sein. Ich habe aber gehört, die Flüchtlinge verweigern Essen. Das ist undankbar.“ Damit wird das Leben und die Existenz von flüchtenden Menschen auf bösartige Gerüchte reduziert, bei denen kein Platz mehr für reale Erfahrungen und Empfindungen ist. In einer Schulklasse würde man das schlicht Mobbing nennen. Das Unfaire daran ist nämlich: Egal was du tust oder sagst, du kannst dich nicht rausretten, weil es so oder so gegen dich ausgelegt wird. Reagierst du nicht, dann muss es ja stimmen. Verteidigst du dich, ist das auch ein Beweis für die Wahrheit der Gerüchte, denn sonst würdest du ja nicht so empfindlich reagieren. Und immer wilder spinnen sich die bösen Verleumdungen.

Nur sind wir hier nicht in einer Schulklasse und das Ganze ist nicht mit einem Schulwechsel beendet. Nein, diese Bösartigkeiten finden im Fernsehen zur besten Sendezeit statt und richten sich aufs Niederträchtigste gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen, die besonders schutzlos sind – Geflüchtete. Es ist die bewusste Abwertung anhand von Halbwahrheiten und Unterstellungen. Dabei wird „das Andere“ konstruiert. Geflüchtete und Muslime werden zu einem „barbarischen“ (dieses Wort fiel) Gegenstück zu der ach-so-aufgeklärten und liberalen österreichischen Gesellschaft konstruiert.
Soweit, so wenig neu. Leider.

Bekannter Rechtsextremer bekommt Bühne

Neu ist hingegen, dass einer der bekanntesten Rechtsextremen Österreichs mir nichts dir nichts vor der Kamera seine rassistische Propaganda von sich geben darf. Alexander Markovics ist Obmann der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreichs.

Markovics als legitimer Gesprächsgast im ORF-Bürgerforum (Screenshot)

Markovics als legitimer Gesprächsgast im ORF-Bürgerforum (Screenshot)

Markovics (eingringelt) bei der Besetzung des sächsischen Landtags bei einer Pegida-Demonstration in Dresden im Januar 2015 (Screenshot)

Markovics (eingringelt) bei der Besetzung des sächsischen Landtags bei einer Pegida-Demonstration in Dresden im Januar 2015 (Screenshot)

Die Identitären sind das erfolgreichste außerparlamentarische Projekt des Rechtsextremismus in Österreich der letzten Jahren. Wobei Erfolg natürlich mit Anführungszeichen zu verstehen ist. Erfolg in diesem Milieu bedeutet Demonstrationen abzuhalten, bei denen unverhohlen nach einer ethnischen Säuberung Europas in Form einer „Reconquista“ gerufen wird. Oder vor Flüchtlingsunterkünften zu stehen und Geflüchteten zynische Zetteln in die Hand zu drücken mit der Aufforderung, sie mögen doch bitte wieder „nach Hause“ gehen (und sich dort vom Daesh oder Assads Armee umbringen lassen).

Solche Gestalten bekommen also nun zur besten Sendezeit ein Forum für ihre krude Sicht der Dinge (die Regierung und die Flüchtlinge, die vor dem Daesh fliehen, sind irgendwie Schuld am Daesh). Das ist nicht nur peinlich und unprofessionell, das zeigt auch wie anfällig ein Konzept wie das Bürgerforum für Agitation von Rechtsextremen ist. Unter dem Deckmäntelchen der „besorgten Bürger“ wird Menschenfeindlichkeit verbreitet. Das ist wie Pegida, nur als Fernsehformat.

Warum man mit Rechtsextremen nicht redet

Gemeinhin wird gerne behauptet, man müsse Sorgen und Ängste verstehen. Das ist zumeist ein Code für „machen wir rechte Politik bevor es die Rechten tun“. Auf der anderen Seite werden Menschen mit rechten Einstellungen gerne als dummer, instinktgetriebener Mob dargestellt. Beides ist falsch. Ja, mit Menschen mit diffusen Ängsten und rechten Versatzstücken in ihrem Denken kann/muss/soll man reden, noch besser: Politik machen, die Ängste vor sozial prekären Lagen verschwinden lassen.
Aber man muss rechtsextremen Kadern keine Bühne bieten. Man muss sie nicht einladen und sie nicht reden lassen. Bei Parteien ist so etwas schwer vermeidbar, obwohl sich in Deutschland gezeigt hat, dass ein konsequentes Ignorieren der NPD von Seiten etablierter Medien (bis vor kurzem) Wirkung gezeigt hat. Aber die FPÖ ist nicht die NPD. Und die AfD zeigt auch gerade in Deutschland, dass sie viel Sendezeit bekommt, weil sie sich geschickter anstellt, als die Kameraden der NPD.

Gestern wurde aber über die FPÖ-Meinung hinaus zusätzlich einem bekannten Rechtsextremen Platz geboten. Das hat Strategie. Damit wollen sich Rechtsextreme salonfähig machen und als „kontroverse“ aber legitime „Diskussions“partner_innen fungieren. Eine Diskussion mit Rechtsextremen kann aber nie zu Stande kommen, da sie daran ja gar nicht interessiert sind. Es geht nur darum die eigenen, menschenfeindlichen Aussagen einem möglichst großen Pubikum darzubieten. Und das im Idealfall unwidersprochen, wie beim Bürgerforum geschehen.

Es ist ein großes Missverständnis zu glauben, dass die Entscheidung, jemandem kein Forum zu bieten irgendeine Art von Zensur ist. Das ist es nicht. Denn es waren sicher nicht „alle Stimmen“ vertreten. (Linke Stimmen fehlen im ORF zum Beispiel oft völlig.) Es ist eine bewusste politische Entscheidung, wem man die Gelegenheit zur Selbstdarstellung gewähren will. Hier aus einer extremiusmustheoretischen Sicht der Dinge zu sagen „wenn antirassistische Menschen zu Wort kommen, dann brauchen wir auch Vertreter der extremen Rechten“ ist höchstens ein weiterer Beweis dafür, wie fetzendeppert die Extremiusmustheorie ist.

Zumal es ja nicht so ist, als würden rassistische Meinungen nur im Untergrund kursieren und leise geflüstert unter Eingeweihten verbreitet werden. Nein, wir erleben ein Trommelfeuer an Abwertung und Hass auf Muslime und auf Geflüchtete. Und der ORF hat sich entschieden, einem der lautesten Schreier dieses Menschenhasses eine Bühne zu bieten.

Wer dagegen protestieren will, kann ein Mail an buergerforum (ät) orf.at schreiben

Herr Dr. Sarrazin und der dumme Mob von Heidenau

Wer das gesamte Forum Alpbach besuchen möchte muss schlanke 1.200€ dafür hinblättern. Hinzukommen Anreise, Unterkunft und Verpflegung. Einzelne Gesprächsreihen gibt es schon zu günstigen 700€. Für zusätzliche Kurse, etwa zu europäischer Integration, sind noch einmal 1.200€ drauf zu legen. Das ist in etwa ein Dreiviertel-Monatseinkommen einer Durchschnittsverdienerin von Sachsen. Der Hartz-IV-Regelbedarf liegt bei 399€, davon sind ganze 1,52€ für Bildung vorgesehen. Bestimmt gibt es irgendwelche wohlmeinenden Menschen, Stiftungen, Charity-Organisationen, die einem glücklichen Hartz-IV-Empfänger die Teilnahme finanzieren würden, wenn man nur laut genug schreit. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Alpbach dezidiert ein sehr exlusives Treffen ist. Alles was Rang und Namen hat, trifft sich und plaudert im beschaulichen Alpbach. Die zukünftige Elite darf auch dabei sein und wird über Stipendien und Ermäßigungen mitgenommen. Dass in diesen Ermäßigungen Studierende erwähnt werden, Arbeitslose jedoch nicht, ist ein klares (wahrscheinlich nicht einmal bewusst gesetztes) Zeichen, wer zur Zielgruppe gehört und wer nicht. Soviel zu den Rahmenbedingungen.

Natürlich werden aller Ortens Zeichen gesetzt, Schweigeminuten abgehalten und Konzepte dafür ausgearbeitet, was man denn für Flüchtlinge tun kann. Ein zentraler Ort ist Heidenau in Sachsen. Dort haben Antirassist_innen und Antifaschist_innen alle Hände voll zu tun, das Schlimmste zu verhindern. Polizei und CDU warnen unterschiedslos vor Links- und Rechtsextremismus in völliger Verkennung der Realität. Die Realität ist, dass in Orten wie Heidenau Pogrome wie in den 90ern drohen. Pogrome, die Tote zur Folge hatten. Pogrome wie in Rostock-Lichtenhagen, die unterschiedslos von organisierten Neonazis und Teilen der lokalen Bevölkerung begangen, bejohlt und beklatscht wurden. Medial gibt es aber interessanterweise eine große Welle der Unterstützung für die Refugees. Natürlich erst Tage und Wochen nach linken und antirassistischen Initiativen, aber man möchte ja nicht Haare spalten in diesen Tagen. Nachrichtenmoderatorinnen sagen klipp und klar, dass Rassismus nicht geduldet wird, Comedians werden ganz ernst, berühmte Schauspieler legen sich mit rassistischen Hetzern an und überall werden Spenden gesammelt. Gut so. Mit einem kleinen Schönheitsfehler. Rassismus wird als Charakterfehler einer ungebildeten, dummen Schicht, die nichts kann und nichts weiß, gesehen. Rassismus als Merkmal eines schmutzigen, tiergleichen Mobs, der sich nicht unter Kontrolle hat und bloß aus Instinkten anstatt nach klaren Gedanken handelt. Eklig, mit sowas will man natürlich nichts zu tun haben. Mit denen reden wir nicht. Da bejohlen wir jeden grammatikalisch falschen Satz. Solche Trottel. Typisch Ostdeutschland. Typisch Dummköpfe.

Am Forum Alpbach wird heute Dr. Thilo Sarrazin zu Gast sein. Kontrovers, keine Frage. Er wird über „Sackgasse Europa? Asyl- und Flüchtlingspolitik auf dem Prüfstand“ am Podium reden. Es ist eine geplante Provokation. Natürlich lässt man auch den Protest am Forum zu. Natürlich dürfen auch Vertreter_innen des Zentrums für politische Schönheit ihren Widerspruch zu Sarrazin kund tun. Denn das gehört wie Sarrazin dazu. Es ist ein Spiel, ein Abwägen, ein Austarieren. Auf der einen Seite Protest gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik vieler Regierungen, auf der anderen Seite jemand, der seinen Rassismus in wichtige Worte verpackt. Immerhin, er hat viele Zahlen in seinem Buch. Und überhaupt, was der schon alles geleistet hat – dem muss man zumindest zuhören. Er kann ja auch korrekte deutsche Sätze formulieren. Käme es nicht Zensur gleich, diese kontroversen Meinungen auszusparen? Was Dr. Sarrazin mehr qualifiziert über Asylpolitik zu sprechen, als eine x-beliebige Anwohnerin aus Heidenau wird leider nicht erläutert. Warum muss der Rassismus eines kapitalreichen Mannes gehört werden? Der einzige Unterschied zwischen Sarrazin und dem „Pack“ in Heidenau ist, dass Ersterer die Codes kennt, die für das Fortkommen in bürgerlichen Schichten angemessen sind. Das macht ihn aber eigentlich gefährlicher, denn er macht Rassismus akzeptabel. Keine großen Massen finden die Pogromstimmung in Heidenau wirklich in Ordnung. Mit Sarrazins feingeschliffener Vorarbeit kann aber auch das Forum Alpbach leben. Rassismus beginnt nicht bei brennenden Unterkünften. Er beginnt weit davor. Er beginnt sehr viel bequemer. Er beginnt dort, wo Sarrazin ein legitimer, kontroverser Gesprächspartner ist. Alle, die das befördern, sind genauso Schuld, wie jene, die Heidenau verharmlosen. Dennoch: Gegen die doofen Nazis in Heidenau zu sein, aber bei Sarrazin Speichel lecken geht sich nicht aus. Das hat nichts mit Antirassismus zu tun. Das ist einzig und allein bürgerliche Befindlichkeit.

 

Screenshot Seite Forum Alpbach

Screenshot Seite Forum Alpbach

Österreichische identitäre Demosöldner besetzen Sächsischen Landtag

Ihr kennt das Spiel doch – wenn Linke von A nach B zu einer Demo reisen, dann ist alles eine große Katastrophe. Von Staatsanwälten kennen wir Formulierungen wie „Demosöldner“ und wie verdächtig es nicht ist, wenn Handys gekauft werden. 

Wenn Rechtsextreme das machen, dann? Genau, da regt sich niemand auf. Am Montag fand wieder die Pegida-Demonstration in Dresden statt. Dass die unbedarften „besorgten“ Menschen oft in der rechtsextremen Szene organisiert sind oder gute Netzwerke dorthin haben, ist ja belegt. Im Zuge der Demonstration stürmten die Identitären den Sächsischen Landtag und machten das, was sie immer machen: Transpi in die Höh, Foto machen, sich auf Facebook dafür abfeiern lassen. Puh, wieder einmal das Abendland gerettet. Peinlicherweise verwenden sie auch noch ein Zitat der großen Rosa Luxemburg, ohne zu wissen was es bedeutet oder ohne auch nur einen zweiten Satz jemals von ihr gelesen zu haben.

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Interessant ist, dass die strammen Kameraden aus Sachsen offenbar zu feig waren, das alleine durchzuführen und sich dafür Hilfe aus Österreich geholt haben. Auf dem Foto sind der Obmann der Identitären Österreich sowie Wien zu sehen (Markovics und Sellner) nebst Julian Prochaska, der bei der Demo in Wien im Mai als Julian Bauer aufgetreten ist. Dazu kommt Tony Gerber, der das Gesicht der Identitären Sachsen ist und in Sellner’scher Manier versucht, einen Videoblog zu unterhalten. Oft scheitert es aber schon an Verständigungsschwierigkeiten innerhalb der großen deutschen Kulturnation.

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Die Identitären aus Österreich, speziell Wien, leisten Entwicklungshilfe für das identitäre Projekt, nachdem es in Deutschland nicht so wirklich vom Fleck kommt. Dazu wurden speziell in Sachsen große Anstrengungen unternommen, eine Gruppe aufzubauen. Teil dieser Anstrengungen sind auch Wehrsportübungen, die als Sportcamp getarnt wurden und bezeichnenderweise den Namen „Jahn“ tragen, nach dem völkischen und deutschnationalen Turnvater Jahn.

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Auch in Österreich haben sich die Identitären verbreitert und zentralistisch von oben nach unten neue Gruppen aufgebaut. In Kärnten, Salzburg, der Steiermark, Niederösterreich, Wien und Oberösterreich gibt es regelmäßig Flyer-, Postwurf- sowie Transparentaktionen. Eine überschaubare Gruppe an (immer den selben) Aktivist_innen packt sich zusammen und fährt durch verschiedene Gemeinden und Kleinstädte. Dort pappen sie für ein paar Minuten ihre Transparente mit den immergleichen Sprüchen an eine Wand, fotografieren das und lassen sich (erraten!) auf facebook dafür abfeiern.

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Interessant ist hier das Burgenland, wo der RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend) und die Identitären ganz offen zusammenarbeiten. Eine angekündigte Aktion des RFJ entpuppte sich als eine alte identitäre Aktion, die schon vor drei Jahren unlustig war. Offenbar gehen ihnen die Ideen aus. Die vielfältige Geschichte der offenen Zusammenarbeit zwischen FPÖ und organisiertem Rechtsextremismus ist aber ein Kapitel reicher.

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Screenshot, “RFJ”-Aktion

Die Identitären und Pegida

Pegida tobt in Dresden. Erst 4.000, dann 10.000, mittlerweile 15.000 Menschen beteiligen sich an einer Demonstration, die ernsthaft den Namen „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ trägt. Soweit, so abstrus. Viele Menschen haben in den letzten Tagen sehr gute Einschätzungen geschrieben, etwa hier in der taz oder hier von Michael Bittner.

Unterm Strich bleibt: Nein, Pegida ist nicht der spontane Aufstand der leidgeplagten Massen, die sich im hochislamisierten Dresden (von allen Städten!) nicht mehr anders zu helfen wissen. Zum Einen kommen dort alltbekannte Rechtsextreme und Nazis zusammen, die auch sonst bei allen pogromähnlichen Veranstaltungen sind, von Burschenschaftern bis zur NPD und von armen missverstandenen CDUler_innen bis zur AfD. Dazwischen die üblichen Schlägernazis und die kleinbürgerlichen, die Hand in der Hosentasche ballenden Familien und besorgte Bürger_innen, die es „denen da oben“ endlich mal reinsagen können, indem sie gegen Leute hetzen, die um Einiges schlechter dran sind als sie selbst. Kleinbürgerliche Logik seit eh und je: Opfer sein und den Mächtigen das Bein stellen wollen, indem man nach unten tritt, weil man zu feig ist, sich mit Großbürgertum und Adel anlegen zu wollen. Zum Anderen ist das Ganze eine inszenierte und organisierte Veranstaltung, nämlich von einem gewissen Lutz Bachmann, über den und die Seinigen auch schon genug geschrieben wurde.

Pegida ist der Diskurs der Neuen Rechten auf die Straße übertragen. Sie sind nicht links, nicht rechts, sondern besorgt/anständig/vernünftig usw. Und sie haben ja nichts gegen Flüchtlinge/Muslime/Migrant_innen (alles das Selbe in ihrer Logik) ABER Abendland!

Natürlich passen da die besorgten Retter_innen des untergehenden Abendlandes, die Identitären, gut dazu. Hier eine erste Auflistung der Konnexe:

Lutz Bachmann, der sich selbst als gar nicht rechts darstellt, bestellt offenbar gerne im rechtsextremen Versandhandel. Denn nur absoluten Insider_innen dürfte Phalanx Europa, der Merchandise-Shop der Identitären, ein Begriff sein. Wenn man sich ca. 15 Sekunden auf der Seite umschaut, kommt man auf Shirts wie das zynische „Lampedusa Coastguard“ oder Textilien mit menschenfreundlichen Gestalten wie dem japanischen Faschisten Yukio Mishima oder auch Ernst Jünger.

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Der Schriftzug von Phalanx Europa ist im Stile von Lonsdale gehalten, so muss sich auch nicht das sonst so klassische Lonsdale-Publikum (von dem sich die Firma distanziert und antifaschistische Projekte sponsert) umgewöhnen. Phalanx Europa wird von Martin Sellner betrieben, der lange im Umfeld von Gottfried Küssel (dem Obernazi der Zweiten Republik in Österreich) aktiv war und mittlerweile die Identitäre Bewegung in Wien leitet. Bei so einem Shop bestellt der unbedarfte Lutz Bachmann also und trägt stolz ein schwarz, rot, weißes Shirt mit Adler und den Worten „Einigkeit, Recht, Freiheit“ (Anspielung auf die deutsche Nationalhymne). pegida Shirtphalanx

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AntiFa-Recherchen haben ergeben, dass die Identitären aus Österreich selbst zu Pegida nach Dresden gefahren sind, um dann begeistert und pathetisch eine „spontane Volkserhebung“ herbei zu fabulieren.

Auch beim, eher minder erfolgreichen, Pegida-Ableger in Bonn – Bogida (nein, das ist kein Scherz) – sind die Identitären führend dabei. Melanie Dittmer ist dort die Drahtzieherin wird sogar für das ARD-Morgenmagazin interviewt. Der Beitrag ist sehr schlecht und apologetisch, aber hier zu finden. Melanie Dittmer ist die Anmelderin von Bogida und trat am 15.12. auch als Rednerin in Erscheinung, wie bereits bei Dügida in Düsseldorf. In der Lotta Nummer 57  ist ein sehr gut recherchierter Artikel über ihre zahlreichen Aktivitäten in und um die rechtsextreme und neonazistische Szene NRWs. Dittmer ist zudem einer der aktivsten Personen der Identitären Rheinland und Pro-NRW-Funktionärin.

Quelle: indymedia. Facebookprofil Dittmers.

Quelle: indymedia. Facebookprofil Dittmers.

Die deutschen Identitären sind im Vergleich zu Österreich und Frankreich ziemlich lasch, aber in den letzten paar Monaten tut sich um Einiges mehr. Das Rheinland und Sachsen zählen mittlerweile zu den aktiveren Ablegern. Die Identitären im Rheinland rufen offen zur Teilnahme an Bogida, wie auch schon zu Hogesa, auf. Dittmer hat zudem die Identitäre Aktion mitbegründet, die mittlerweile ihre Hauptbeschäftigung sein dürfte. Das ist ein nochmal aggressiverer, aktionsorientierer Arm der Identitären Bewegung. Dittmer ist also das lebende Beispiel für die engen Verknüpfungen zwischen Identitären, offen rechtsextremer Szene, Neonaziszene und der „besorgten“ bürgerlichen Mitte, die für das Abendland demonstrieren. Bogida und der Aufruftext ist nichts anderes als ein (schlecht maskiertes) Projekt der Identitären.

Fazit: Pegida, Bogida usw. sind nichts anderes als die Diskurse der Neuen Rechten auf der Straße. Von „Kein links, kein Rechts“ bis zur „Erweiterung des Rahmen des Sagbaren“ werden zahlreiche Strategien der Neuen Rechten angewandt. Dazwischen tummeln sich dezidierte Führungsköpfe und Multiplikator_innen der Neuen Rechten wie Akif Pirinçci, Vertreter der Sezession oder eben der Identitären. Dass auch die AfD (wenngleich die Leute immer als „Privatpersonen“ handeln) mitmischt, verwundert nicht, nimmt sie doch mittlerweile immer mehr die Entwicklung zur neurechten Partei (auch wenn das ein Paradoxon ist).

Pegida, Bogida, Kagida bringen zusammen, was schon längst zusammen gehört und nie getrennt war: Ein verrohtes Bürgertum, dass sich diffus wirkende Aktivierungspunkte sucht und findet. Von antifeministischen und homophoben wie transphoben Ausfällen bis zum antimuslimischen Rassismus und dem Hass auf Flüchtlinge spannt sich ein breites Feld auf, das nun auch aktionistich beackert wird, nachdem es in den letzten Jahren durch die Diskurse von rechtsextremen Intellektuellen vorbereitet wurde.